Kischo-Geschichte Nummer 3
Kischo, Santscho und die oberschwäbischen Barockkirchen
Santscho und sein Master Kischo sind mal wieder im Schwäbischen unterwegs.
Kischo hat eine Schwäche für den Bussen. Den schaut er sich immer gern vom Loretto-Ziegenstall oberhalb von Zwiefalten aus an.
Hinter ihm wabert dieses spezielle Goißa-Gschmäckle. Unsere Leser bitten wir um Nachsicht für diese typisch schwäbische Wortverwendung, schließlich RIECHT man ja dieses Gschmäckle, man schmeckt es nicht. Aber seis drum.
Kischo sieht also den Bussenberg vor sich. Das Herz wird ihm warm.
Das darf eigentlich nicht sein, schließlich wird der Bussen der "Heilige Berg Oberschwabens" genannt, oben drauf ist eine Wallfahftskirche mit der Bussenmadonna. Die ist schon weit herumgekommen, bis nach Hajos in Ungarn.
Und zu allem Elend stammt auch noch der Santscho von diesem Berg. Ebenso wie andere - viel berühmtere - Mannsleut datiert Santscho seine Herkunft aus himmlischen Höhen: Die Muttergottes oder Gottesmutter vom Bussen erhörte das innige Gebet seiner Mutter und schickte ihr den winzigen Santscho vorbei. Santscho ist also ein typisches Bussenkendle.
Heute gibt es leider nicht mehr viel von dieser Sorte. Wegen der zunehmenden und beabsichtigten Geburtenreduzierung wird die Gottesmutter nicht mehr so heftig wie früher für Zeuger- und Geburtshelferdienste in Anspruch genommen.
Santscho: Hosch des au it vrgessa, dass i von dr Bussa-Madonna schdamm?
Kischo: O bleib mr au mit damm alda Kruuscht vom Hals. Diii hot dai Aldr naa-kriagt, itt d' Bussamuedr.
Santscho: Wa witt au du luddrischer Siach aus em Ondrland wissa! Bei eich geits so abbes halt it. Do mueß ma drzue ens Obrschwäbische komme. Doo daff d Muedrgottes no abbes doa!
Kischo: Santscho, jetzt reiß dich endlich zusammen! Du weißt, dein religiöses Gelabere geht mir schwer auf den Geist. Denk mal an die armen Frauen, die von der Marchtaler Mönchsjustiz rund um den Bussen hingerichtet wurden. Diii dät ma heit au auf so en Scheidrhaufa naufschdella.
Santscho: I woiß, Kischo, du dätescht am liabschda an jedes Käppele a Fuirhelzle naa-heba, damits naaa-brennt. - Aber du könntest auch deine Rosinante satteln, oder wie heißt jetzt dein neuer Dö-schwo, die Lanze einlegen und auf die nächste Dorfkirche einstürmen.
Kischo: Jaaaaaaa, hmmmmm, sehr gut! - endlich mal wieder so ein erzkatholisches Glaubenszeugnis in Grund und Boden rammen. Schon beim Gedanken daran wird mir warm ums Herz.
So kam es, dass Kischo vom Loretto-Berg und seinem Geißen-Gschmäckle herabstieg, seine Lanze einlegte und eine oberschwäbische Barockkirche nach der anderen in Grund und Boden stoßen wollte.
Was nachher noch von seiner Lanze, ja, überhaupt vom ganzen Kischo übrigblieb, das wollen wir des Sängers Höflichkeit verbergen lassen. Gut jedenfalls bekams dem Kischo nicht.
Santscho stellte sich an sein Grab, schaute traurig auf den verlorenen Freund hinab, gab ihm einen letzten Weihwassergruß (das konnte er jetzt, Kischo konnte sich nicht mehr wehren), dann nahm er seinen Hut (so heißt es immer im Märchen) und ging gedankenschwer der Heimat zu.