haasis:wortgeburten:182360

UNDERGROUND 26

ATHEISTISCHES WANDGEMÄLDE IN HEIDENHEIM/BRENZ:
RATZINGER KAPITULIERT VOR DEM ZWEIFEL

Im Jahr 2008 erschien über Nacht an einer Außenwand der Michaelskirche in Heidenheim ein himmlisches Wandgemälde.

spott über den papst - atheistisches wandgemälde in heidenheim/brenz (2008)

WELCHES WUNDER GOTTES !

Es zeigt uns den DEUTSCHEN PAPST in einer weltlichen Darstellung. Benedikt dem Letzten kommt die Erkenntnis, dass es ein Jenseits, einen Himmel, gar nicht gibt. Er spritzt es mit einer Farbdose an die Kirchenwand. Oder will er es wegwischen? Oder winkt er jemandem zu?
Der Künstler, EIN SCHLINGEL, lässt es offen.

Mitgeteilt hat mir diesen Fund aus dem UNDERGROUND der Heiner Jestrabek (tschechisch: der Habicht) aus Heidenheim, Vorsitzender des freidenkerverbands ostwürttemberg.
Schlotter Schlotter, was für ein Verein!
„Isch so äbbas iberhaupt erlaubt?“ fragt der IDEALDEMOKRAT.
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HEIDENHEIM, von heiner jestrabek, 9. 1. 2009.
in der rundmail an die mitglieder des freidenkerverbands ostwürttemberg.
hallo hellmut,
das graffiti ist inzwischen leider schon übermalt, war aber monatelang zu sehen. der künstler ist mir leider nicht bekannt. aber gell, unser BENEDEPPO ist gut zu erkennen?
tutti libera saluti
enrico
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Sent: Friday, January 09, 2009 5:15 PM
Subject: Re: INFO 126
heiner, kannst du mir die schöne wandmalerei auf der hdh kirche noch mal extra schicken? und die story liefern, wie das zeitlos moderne gemälde dort hinkam?
das wäre ein aktuelles beispiel für underground-kultur.
saluti
hellmut
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Original Message -----
From: "Hellmut Haasis" <hellmut.g.haasis@gmx.de>
To: "DFV-Ostwuerttemberg" <DFV-Ostwuerttemberg@t-online.de>
Sent: Sunday, January 11, 2009 11:53 AM
> Subject: Re: INFO 126
-------- Original-Nachricht --------
Datum: Fri, 9 Jan 2009 17:47:24 +0100
Von: "DFV-Ostwuerttemberg" <DFV-Ostwuerttemberg@t-online.de>
An: "Hellmut Haasis" <hellmut.g.haasis@gmx.de>
Betreff: Re: INFO 126

hoppla heiner,
das welt-aufklärende kirchliche wandgemälde an der heidenheimer michaelskirche werd ich in die annalen der underground-kultur aufnehmen.

kannst du kurz beschreiben, wo die michaelskirche liegt? sagen wir: stadtteil, richtung, wohnumgebung, gibt es aufmüpfige kneipen oder jugendhäuser drum rum oder einen roten betrieb wie voith, was die belegschaft betrifft? vereine, fußballplätze.

kurz: einordnen in das stadtgefüge und die menschen. hast du eine ahnung, wer das sein könnte, der maler? die maler? einer allein wird das nicht machen, schon allein wegen des bedarfs an kumpanen, die schmiere stehen, die farbe bereit halten usw. auch muss die wand wohl vorbereitet werden.

kannst du sie anschauen, die übermalte wand, wie sie aussieht? mir sagen, wo sie war? westseite? süden? usw. sieht man reste drauf?

der sprache nach ist das wohl einer von den nachwachsenden jahrgängen. wir hätten ja kaum englisch geschrieben. du hättest es mit rosa luxemburg gesagt, ich vielleicht schwäbisch mit einem italienischen schlenker. kannst du dir dazu ein paar sätze abringen, wie du reagieren würdest, wenn du erfährst, dass polizei und justiz für dieses jahrhundertgemälde eine strafe von 10.000 euro haben wollen?

saluti
hellmut
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INFOS für FreidenkerInnen, Konfessionsfreie, AtheistInnen und HumanistInnen
Mitteilungsblatt des D.F.V. Ostwürttemberg e.V. Nachrichten und Termine
von IBKA e.V. Baden-Württemberg, Freidenkerinnen und Freidenker
Ulm/Neu-Ulm e.V. u. a. interessanten Leuten
Nr. 126  Winter  2008/2009 23./24.Jahrgang
"Imagine there's no heaven"
Graffiti an der Aussenmauer der Heidenheimer Michaelskirche (2008)

------ Original-Nachricht --------
Datum: Sun, 11 Jan 2009 18:32:44 +0100
Von: "Heiner Jestrabek" <Jestrabek@t-online.de>
An: "Hellmut Haasis" <hellmut.g.haasis@gmx.de>
Betreff: Re: INFO 126
hallo du guter kunstfreund,

mal sehen, ob ich deinem immensen wissenschaftlichen wissensdurst weiterhelfen kann.
Die michaelskirche ist innerhalb der stadtmauer die älteste und war früher somit die hauptkirche, früher nikolauskirche, seit der reformation michaelskirche (alle heidenheimer hatten drin platz - weil ja auch besuchspflicht war). sie liegt halb am berg und von der rückseite sind's so 300 m zum wohnsitz des antichristen heiner. der war aber nicht der künstler.

das kunstwerk befand sich auf der bergseite, eben in dieser richtung (drum hat's der heide auch bemerkt) richtung südwesten und wurde m(einer) m(einung) nach mit einer schablone gespüht. jetzt ist das kunstwerk übermalt, scheint aber schemenhaft noch durch.

eine historische parallele: in der michaelskirche wurden nach dem 30jährigen krieg unter den pietisten die zahlreichen religiösen bilder übermalt und gerieten in vergessenheit. bekanntlich waren sie ikonophobisch und wollten keine visuellen ablenkungen von der erbaulichen predigt haben.

erst in den 1960er jahren wurden bei einer grösseren renovierung im müllkontainer übermalte bretter entdeckt, gerettet und restauriert. das ganze illustrierte neue testament kam zum vorschein und ist heute wieder teils im museum, teils in der michaelskirche ausgestellt. aber wertvoll sind die bilder nur historisch. der heidenheimer künstler namens ensslin war eben kein dürer (so hätt i dees au no nobrocht).

vielleicht werden unsere nachkommen dereinst unterm abgeblätterten putz der kirche den imagine-benedikt entdecken und ihn für ein bedeutendes kunstwerk unserer zeit ansehen?

auf jeden fall sollten wir deinen nächsten besuch nutzen - und die spärliche ostalbsonne ausnutzend - an den KUNSTTATORT zu pilgern.

grüss mir die liebe
ganz li(e)bertär
heiner
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REAKTION DER KRIPO HEIDENHEIM
futurologisch recherchiert von Hellmut G. Haasis
(nach einschlägiger Erfahrung mit der Kripo Aalen wegen eines nicht-gesehenen Brandes in einer NPD-Druckerei, dennoch wurde ich als Augenzeuge vermutet)

Kurz blieb im Dunkeln, was die Kripo Heidenheim nach diesem ANSCHLAG AUF DIE KIRCHE unternahm. Diese Lücke kann ich inzwischen mit Methoden des polnischen Krimifuturologen STANISLAV LEM füllen, die er mir aus seinem Grab in KRAKAU gemailt hat. (stanisla.lem@futur-grab.krakau.pl)

Die Lem-Kenner wissen: Das geschah nach dem letzten FUTOROLOGISCHEN KONGRESS, an dem ich um ein Härle Haar selbst teilgenommen hätte - im alten Lodz (?ód?), beileibe nicht im nazistischen Litzmannstadt.

Den ersten Hinweis bekam die Kripo von einem durstigen Kirchen- und Kneipengänger, der seine Blase an die Kirchenwand zu entleeren pflegte, nächtens. Die Kripo warf seine Anzeige in den Papierkorb, das Papier roch zu stark nach Bier – und Urin.
Nach zwei Tagen rief der Mesner empört an. - Die Kripo wimmelte ab.

Zwei Wochen später kam der Pfarrer vorbei. Der Dienst habende Polizist brummte, voller Zweifel:

„Da hätten wir viel zu tun, wenn wir die Ehre des Papstes verteidigen sollten, mitten auf der gottlosen Ostalb, wo ja nicht mal genügend Züge nach Ulm verkehren. Wir können nie rechtzeitig ins Ulmer Münster kommen, ins evangelische. Dort fehlt sogar in der Sakristei immer Clopapier.“

Nach weiteren 13 Tagen wehten GOTTES UNERFORSCHLICHE WEGE den Dekan in die Polizeiwache, begleitet vom Schuldekan und einem Oberkirchenrat, der in Heidenheim weilte, um die erbleichte Ökumene zu beatmen.

Der Diensthabende zog die alte Schreibmaschine an sich und hämmerte mit dem polizei-üblichen Einfinger-Adler-Suchsystem die Anzeige aufs Papier.

Der Dekan ließ in loyalem Ton fallen:
„Eigentlich könnte mir als einem Evangelischen der Papst schei…egal sein - den einen unaussprechlichen Buchstaben verschluckte er - „aber es geht uns um die Sauberkeit der kirchlichen Außenwand.“

Dabei streckte er den Zeigefinger, den er geschwind aus der Nase zog, hinauf gegen den Blaffon - altschwäbisches Wort für die Zimmerdecke, aus dem Französischen -, aber nicht in religiöser Absicht.

Es war keineswegs ein Hinweis auf den Weltenlenker.

Und weiter: „Hier auf der Ostalb müssen wir schon den ersten künstlerischen Angriffen auf ein Gotteshaus entgegentreten, sonst wird morgen unser schlimmster Feind zugreifen, dieser unnennbare, bekannt unter dem Decknamen Heiner Jestrabek. Ein verfluchter tschechischer Habicht.“

Der Polizist winkte ab: „Nein, nur den nicht nennen, der Teufel könnt ihn gleich aus dem Boden stampfen. Dann wäre die Wache voll mit Schwefelgestank. Und der Unaussprechliche wird gleich etwas anmelden: eine Elser-Versammlung oder ein Flugblatt oder eine Stadtverwirrung kleiner Kinder mit absurd-schräger Stadtgeschichte. Was wir wegen dem schreiben müssen, das verschlingt oft die halbe Dienstzeit der letzten Planstelle, die fehlerfrei schreiben kann.“

Der evangelische Dekan erstattete ungerührt Anzeige wegen Ruhestörung. Der Kriminaler schüttelte sein schütteres dienstliches Haupthaar.

Der Dekan: „Aus Erfahrung, solche Bilder führen leicht zu Seufzern oder bei Gottlosen zu Juchzgern (Jauchzer), was die Nachbarschaft als Störung empfindet und anzeigt.“

Der Kriminaler entsetzt: „Können Sie sich den Papierkrieg wegen diesem Gottesleugner vorstellen?“

Der lange Polizistenärmel winkte zum Aktenschrank mit den Vorgängen der letzten 15 Jahre. „Jestrabek wird 35 mal aufgeführt, 29 mal hat er Anträge gestellt.“ Der Polizist begann sich die Haare zu raufen: „Und dieser Saukerl kann sogar schreiben. Nun ja, wenn er normal wäre, hätt’ ich nichts dagegen. Dann wäre jedes Schreiben mit Fehlern durchsetzt, wie eine Bundestagsrede. Aber der schreibt fehlerfrei, gut, oft sogar saugut und fetzig-polemisch.“

Und er stöhnte aus tiefem Leid.

Der Dekan blieb ungerührt: „Ein Schmierfink, der das malte.“

Der von Staats wegen zur Toleranz und Kunstfreude angehaltene Polizist schaute missbilligend hoch. Er war Liebhaber der Picasso-Plakatsammlung im städtischen Kunstmuseum von Heidenheim. So konnte man das nicht sagen, wenigstens nicht hier im Polizeipräsidium.

„Also der Schmierfink genießt kein Kunstprivileg, er sägt am AST DES ABENDLANDES, auf dem wir alle sitzen.“ Der Dekan machte ein gottwohlgefälliges Gesicht, er straffte sich und strahlte, der Satz schien ihm gelungen.

Der Polizist jedoch schaute bestürzt an den Stuhlbeinen seines Schreibmaschinenstuhls hinunter, beugte sich vor und auf die Seite, prüfte die Unversehrtheit des Holzes und wollte den Herrn Dekan beruhigen.

Der verlor endgültig das seelische Gleichgewicht, für das er täglich Gott dankte, in einer Bitte des Vaterunsers:
UND FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG.

Der geistliche Herr wurde laut: „Ich lasse die Heilige Kirche unseres Gottes nicht beleidigen. Wollen Sie mit dem MP OETTINGER zu tun bekommen?“

Der Polizist zuckte zusammen und legte die Hand schnell an die Dienstpistole.
„Nein, mit einer Maschinenpistole will ich es nicht aufnehmen. Ist der Jestrabek wirklich so gefährlich?“ Der Polizist duckte sich schon mal voraussehend.

Der Dekan lockerte sich, wenn auch nur kurz: „Nein, das meine ich geistlich. Wer diesen Schmierer nicht stoppt, bekommt Aufmerksamkeit aus Stuttgart. Und dann ist keine Dummheit unmöglich. Dieser gottlose Maler bildet durch seinen scharfen, atheistischen Verstand eine echte Gefahr, dem sind die meisten unserer staatlichen Nachplapperer nicht gewachsen. Die kann man bloß in einer Zeitung oder im Parlament brauchen. Oder man kann sie gleich in der Pfeife rauchen.“

Der Wachhabende klopfte mit seinem angenagten Bleistift auf den Tisch und fragte ungeduldig: „Haben Sie einen handgreiflichen Verdacht, wer das gemalt haben könnte?“

Der Dekan dachte und dachte und wiegte seine Glatze hin und her. „Nein, aber ich fühle es genau, wenn nicht der Habicht, so könnte es ein Hase sein. Bei dieser flüchtigen, geschickten Führung der Spritzdose. Also ein Hase, sage ich.“

Der Polizist warf im laufenden Computer den Suchlauf an, gab Hase ein und bekam in 0,26 Sekunden das Ergebnis:

„Meinen Sie Haasis Hellmut G.? 17.547 Nennungen.“

Der Dekan frohlockte: „Ich sagte es doch. Bei so vielen Nennungen kann nur dieser Schlawiner es gewesen sein.“

So ging die Geschichte lange futurologisch hin und her. Eines Tages wunderte sich die Nachbarschaft in Reutlingen, dass vor dem Haus des Haasis ein grauer Mercedes stand, dessen Fahrer 3-4 Stunden pro Tag die Zeitung las. Und immer dieselbe BILD-Zeitung. Das war nun wirklich auffällig.

Das war alles, was man in Stanislaw Lems Mail aus Krakau aus dem nächsten Jahrtausend lesen konnte.
(September 2009, aufgefangen im Bayerischen Wald, unterhalb des Berges Rachel)

 

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